Beweidungsprojekt Stadtwald Augsburg

Lichte Kiefernwälder in Augsburg
Das 24 km² große Naturschutzgebiet Stadtwald Augsburg beeinhaltet die größten zusammenhängenden Restvorkommen von lichten Kiefernwäldern am Lech. 

Kennzeichnend für die lichten und Kiefernwälder der Flußauen im Alpenvorland ist ihr außerordentlich großer Artenreichtum. Lichte Kiefernwälder sind ein Zeitfenster in die Vergangenheit, denn sie sind der ursprüngliche Vegetationstyp in der Hartholzaue am Lech. Aufgrund ihrer ökologischen Funktion sowie ihrer biogeographischen Einzigartigkeit gelten sie als nationales Naturerbe.

Etwa 80 % der noch verbliebenen Reste von lichten Kiefernwäldern und Heiden am Bayerischen Lech befinden sich auf Augsburger Stadtgebiet - für ihren Erhalt tragen wir in Augsburg somit eine besondere Verantwortung.

In ihrer Ausprägung und Artenausstattung sind die lichten Kiefernwälder eng an die dynamischen Prozesse intakter Wildflussökosystemen und extensiver Weidewirtschaft gebunden. 

In ihrer Artenausstattung ähneln lichte Kiefernwälder den Lechheiden, die durch fortschreitende Auflichtung aus ihnen entstanden sind. Mit den wasserbaulichen Eingriffen am Lech und dem Rückgang der Wanderschäferei setzte in den lichten Kiefernwäldern jedoch eine Sukzession zum Laubholzmischwald und zu Ungunsten naturschutzrelevanter Arten ein.

Da eine großräumige Renaturierung der ursprünglichen Lech-Aue unrealistisch ist, verfolgen wir mit der Beweidung durch Wildpferde und Rothirsche das Ziel, dynamische Prozesse kleinräumig zu initiieren.

Beweidung mit großen Pflanzenfressern
Mit den klassischen Methoden der Landschaftspflege, Mahd und Schafbeweidung, ist ein nachhaltiger Schutz der lichten Kiefernwälder nicht möglich. Ein viel versprechender Lösungsansatz ist aber die Beweidung mit "wildlebenden" großen Pflanzenfressern.

Im Rahmen eines von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützten Pilotprojekts wurden im Jahr 2007 zwei 13 und 15 ha große Gehege errichtet, die bis Ende 2011 ganzjährig mit Rothirschen und Przewalskipferden besetzt sind. Das Projektgebiet im südwestlichen Teil des Naturschutzgebietes Stadtwald Augsburg ist ein 100 bis 150 Jahre alter Kiefernwald mit nachweisbar langer Biotoptradition.

Die Tiere tragen mit ihrem Fraß- und Weideverhalten dazu bei, lichte Strukturen zu erhalten bzw. zu fördern. Außerdem reduzieren sie die Streu- und Rohhumusauflage und schaffen offene Bodenstellen, auf denen Kiefernsamen wieder keimen können. 

Auf diese Weise wird wieder eine halboffene Landschaft mit fließenden Übergängen zwischen Wald, Halboffenland und offenen Heideflächen entstehen. Über wissenschaftliche Begleituntersuchungen können wir die durch die Beweidung hervorgerufenen Veränderungen dokumentieren. 

Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist auch eine intensive Umweltbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Ziel ist es, die Bevölkerung für die einzigartige Naturausstattung am Lech zu sensibilisieren und entsprechende Verhaltensweisen zu fördern.

Nach den bisherigen Erfahrungen gehen wir davon aus, einerseits die naturschutzfachlichen Ziele des Projekts erreichen zu können und andererseits über die notwendige öffentliche Akzeptanz zu verfügen, um die Beweidung auch über das Jahr 2011 hinaus fortsetzen zu können. 

Neue Wildnis im Stadtwald
Die Anwesenheit von frei lebenden Przewalskipferden und Rothirschen lädt den Besucher zum Verweilen ein und ist eine faszinierende Bereicherung für den Stadtwald.

Die Bedeutung des Beweidungsprojekts geht jedoch darüber weit hinaus, denn Rothirsche und Przewalskipferde sind mehr als „lebende Rasenmäher“ – sie sind vielmehr ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems "Lichter Kiefernwald", dem sie wieder einen Teil der ursprünglichen Dynamik zurückgeben. 

Entscheidend sind deswegen aus naturschutzfachlicher Sicht die Strukturveränderungen, die durch die Weidetiere bei ganzjähriger Freilandhaltung durch Verbiss, Scheuern, Tritt und Kotproduktion langfristig bewirkt werden. Im Dung der Tiere leben viele Käfer, die wiederum vielen Vogel- und Fledermausarten als Nahrung dienen.

Im Gegensatz zur regelmäßigen Mahd oder einer intensiven Beweidung, werden die Pflanzen unregelmäßig und unterschiedlich verbissen. 

Zwar sind so in der Regel weniger Blüten als in einer extensiven Mähwiese vorhanden, die gesamte Blühdauer wird aber um das Zwei- bis Dreifache verlängert, was sich positiv auf blütenbesuchende Insekten auswirkt.

Durch den Verbiss von Laubgehözen erhöht sich langfristig der Anteil von Totholz im Gebiet, worauf wiederum zahlreiche hochspezialisierte Insektenarten angewiesen sind.

Die räumlich unterschiedliche Beweidungsintensität schafft eine Strukturvielfalt aus kleinen, dichten Gebüschgruppen, unterbeweideten Altgrasbeständen, stark beweideten Flächen und Rohbodenstandorten, von denen z.B. Insekten und Reptilien profitieren.

Hintergrundinformationen zu unserem Beweidungsprojekt und zum Einsatz von großen Pflanzenfressern in der Landschaftspflege finden Sie auch auf den Seiten Download und Links.

(Fotos v.o.n.u.: LPV, Pfeuffer, LPV, Volkmar, LPV, LPV, Pfeuffer)



 

 

 


 

 
 

 

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